Elektrik

Elektrik im Haus erneuern: Kosten und wann es sein muss

Raik Jarau Gründer von wohn-sorglos.de

Zuletzt geprüft am 28. August 20264 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in einem Satz

Eine komplett neue Elektroinstallation kostet 100 bis 200 Euro pro Quadratmeter. Ob dein Haus eine braucht, siehst du am Sicherungskasten. Dafür brauchst du weder Werkzeug noch Vorkenntnisse.

Inhalt6 Abschnitte

Die Elektrik ist der Posten, den bei der Besichtigung fast niemand anschaut, obwohl er groß ist und in einer Minute einzuschätzen wäre. Sie steckt in den Wänden, und solange das Licht angeht, wirkt alles in Ordnung.

Dabei entscheidet genau dieser Punkt darüber, ob du nach dem Kauf einziehen kannst oder erst einmal die Wände aufmachen musst.

Der Sicherungskasten

Zwei Minuten, die reichen

Mach bei der Besichtigung den Kasten auf. Was du siehst, ordnet das ganze Haus ein.

Was du siehstWie alt es istWas es heißt
Schraubsicherungen aus Porzellan, Rückwand aus Holzvor 1965komplette Erneuerung, keine Frage
Automaten, aber kein FI-Schalter1965 bis 1985mindestens FI nachrüsten, meist mehr
Automaten und ein FI-Schalter für Bad und Außen1985 bis 2000brauchbar, aber knapp bei heutiger Nutzung
Mehrere FI-Schalter, beschriftete Reihen, viel Platznach 2000in Ordnung

Der FI-Schalter ist der wichtigste Punkt in dieser Tabelle. Er erkennt, wenn Strom einen falschen Weg nimmt, zum Beispiel durch einen Menschen, und schaltet in Sekundenbruchteilen ab. Er sieht aus wie ein breiterer Automat mit einer Prüftaste, oft blau oder mit einem "T" darauf.

Die anderen Zeichen

Was dir im Haus auffällt

  • Steckdosen ohne Schutzkontakt. Zwei runde Löcher, aber keine Metallklammern oben und unten. Alte Bauart, ohne Erdung.
  • Zu wenige Steckdosen. Ein oder zwei pro Raum, dazu überall Mehrfachstecker. Das ist nicht nur unbequem, es ist das Zeichen einer Anlage aus einer Zeit mit drei Geräten im Haushalt.
  • Stoffummantelte Kabel an sichtbaren Stellen im Keller oder auf dem Dachboden.
  • Kein eigener Stromkreis für Herd oder Waschmaschine. Fliegt beim Kochen regelmäßig eine Sicherung, fehlt er.
  • Zählerschrank mit Platz für nichts. Wer später eine Wallbox, eine Wärmepumpe oder Photovoltaik will, braucht dort Platz. Ein voller Schrank heißt: Er kommt sowieso raus.

Was es kostet

UmfangKostenWann sinnvoll
Nur Sicherungskasten erneuern, mit FI1.500 bis 3.500 €Leitungen sind in Ordnung, nur die Verteilung ist alt
Teilerneuerung, ein bis zwei Räume3.000 bis 8.000 €Bad und Küche zuerst, dort ist es am wichtigsten
Komplett neu, ganzes Haus100 bis 200 € pro m²vor 1965 gebaut, oder nichts ist erneuert worden
Zusätzlich: Wallbox vorbereiten1.000 bis 2.500 €wenn ein E-Auto absehbar ist

Material und Arbeit einer Fachfirma. Bei 140 Quadratmetern liegt die Komplett-Erneuerung damit grob zwischen 14.000 und 28.000 Euro.

Was in diesen Zahlen NICHT steckt: das Verputzen, Spachteln und Streichen nach dem Stemmen. Rechne für ein ganzes Haus noch einmal einen niedrigen fünfstelligen Betrag dazu, wenn du es machen lässt, oder viele Wochenenden, wenn du es selbst machst.

Der Zeitpunkt

Vor dem Einzug, nicht danach

Neue Leitungen bedeuten aufgestemmte Wände in jedem Raum, in dem sie liegen. Danach wird verputzt, gespachtelt, gestrichen. Staub überall.

In einem leeren Haus ist das eine Baustelle von zwei bis drei Wochen. In einem bewohnten Haus ist es ein halbes Jahr mit Möbelrücken, Staub und abgeklebten Türen.

Deshalb ist die Elektrik eine Zahl für die Kaufkalkulation, nicht für die Liste der Dinge, die man irgendwann macht. Wer sie später macht, macht sie doppelt teuer, weil frisch gestrichene Wände wieder aufgehen.

In Etappen

Die vernünftige Reihenfolge

Nicht jeder kann 20.000 Euro direkt nach dem Kauf ausgeben. Dann geht es der Reihe nach, und zwar in dieser:

  1. Sicherungskasten mit FI-Schalter. Sicherheit zuerst, und es ist der günstigste Schritt.
  2. Bad. Wasser und Strom, dazu meist die älteste Leitungsführung im Haus.
  3. Küche. Die meisten großen Geräte, die meisten eigenen Stromkreise.
  4. Räume, in denen ohnehin die Wände aufgehen. Wenn du sowieso renovierst, machst du die Leitungen mit.
  5. Der Rest, Raum für Raum.

Was du nicht machst: Eine Wand streichen, in der in zwei Jahren eine neue Leitung liegen soll.

Was das für deine Kaufentscheidung heißt

Alte Elektrik ist selten ein Grund, ein Haus nicht zu kaufen. Sie gehört mit einer ordentlichen Zahl in die Rechnung und in die Preisverhandlung.

Drei Fragen bringen dich weiter:

  1. Was steht im Sicherungskasten? Die Tabelle oben ordnet das Haus in einer Minute ein.
  2. Gibt es Belege? Frag nach Rechnungen der letzten Arbeiten und nach dem Prüfprotokoll. "Vor ein paar Jahren gemacht" ohne Papier ist keine Auskunft.
  3. Was hast du danach vor? Wer die Wände ohnehin aufmacht, hat die günstigste Gelegenheit. Wer erst mal wohnt, macht wenigstens den Sicherungskasten.

Der Befund, den du bei derselben Gelegenheit prüfst, ist Asbest erkennen: Ein Haus, dessen Elektrik von 1965 ist, ist auch beim Baujahr in dem Bereich, in dem Asbest verbaut wurde. Und wie du solche Posten sauber neben die Kaufnebenkosten stellst, steht in Kaufnebenkosten beim Hauskauf.

Häufige Fragen

Was kostet es, die Elektrik im Haus zu erneuern?

Für eine komplette neue Installation rechnest du mit 100 bis 200 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Bei 140 Quadratmetern sind das grob 14.000 bis 28.000 Euro. Nur der Sicherungskasten liegt bei 1.500 bis 3.500 Euro, inklusive Material und Arbeit, ohne Malerarbeiten danach.

Woran erkenne ich, dass die Elektrik alt ist?

Am Sicherungskasten. Alte Schraubsicherungen mit Porzellankappen, kein FI-Schalter, ein Holzbrett als Rückwand: Das ist der Stand von vor 1965. Dazu kommen Steckdosen ohne Schutzkontakt, also zwei runde Löcher ohne die Klammern oben und unten, und im Keller sichtbare Stoffkabel. Jedes dieser Zeichen für sich reicht schon.

Was ist ein FI-Schalter und warum ist er so wichtig?

Der FI-Schalter, auch RCD genannt, schaltet den Strom ab, wenn er einen falschen Weg nimmt, zum Beispiel durch einen Menschen. Er ist der Unterschied zwischen einem Schreck und einem tödlichen Unfall. In Neubauten ist er seit Jahrzehnten Pflicht, in Altbauten fehlt er oft. Ihn nachrüsten zu lassen ist das Erste, was du machst, wenn er fehlt.

Muss ich die Elektrik erneuern, wenn ich ein altes Haus kaufe?

Eine allgemeine Pflicht, ein bestehendes Haus umzurüsten, gibt es nicht. Sobald du aber etwas veränderst, gelten für den geänderten Teil die heutigen Regeln. Und unabhängig von jeder Vorschrift: Eine Anlage ohne FI-Schalter ist ein Sicherheitsthema, kein Komfortthema.

Kann ich die Elektrik in Etappen machen?

Ja, und oft ist das der vernünftige Weg. Zuerst der Sicherungskasten mit FI-Schalter, dann Bad und Küche, dann der Rest nach Raum. Teurer wird es dadurch nur wenig, weil die Handwerkerfahrten dazukommen. Was du nicht aufteilen solltest, sind Räume, in denen ohnehin die Wände aufgehen.

Wann ist der Zeitpunkt zum Erneuern?

Vor dem Einzug. Für neue Leitungen müssen Wände aufgestemmt werden, danach wird verputzt und gestrichen. In einem leeren Haus ist das eine Baustelle von zwei bis drei Wochen, in einem bewohnten ein halbes Jahr Ärger. Das ist der Grund, warum diese Zahl schon in die Kaufkalkulation gehört.

Alle Zahlen in diesem Artikel: Stand August 2026.

Rechtlicher Hinweis: Die Kostenspannen sind Erfahrungswerte für eine erste Einordnung und ersetzen kein Angebot. An einer Elektroinstallation arbeitet ausschließlich eine Elektrofachkraft. Was in deinem Haus nötig ist, sagt dir nur jemand, der es gesehen hat.

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