Schadstoffe im Altbau

Asbest erkennen: Woran du ihn siehst und was er kostet

Raik Jarau Gründer von wohn-sorglos.de

Zuletzt geprüft am 17. August 20266 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in einem Satz

Am Material selbst siehst du Asbest nicht, dafür sieht er zu normal aus. Er steckt in ganz gewöhnlichem Zement, Kleber und Bodenbelag. Was dir weiterhilft, sind das Baujahr und der Ort im Haus: Ist vor Oktober 1993 gebaut worden, musst du mit Asbest rechnen, und dann gibt es fünf Stellen, an denen du hinschaust.

Inhalt6 Abschnitte

Asbest ist der Befund, vor dem Erstkäufer am meisten Angst haben und über den sie am wenigsten wissen. Beides ist verständlich. Man sieht ihm nichts an, und die Wörter drumherum klingen alle nach Katastrophe.

Die gute Nachricht: Für die Besichtigung brauchst du kein Messgerät und kein Fachwissen. Du brauchst das Baujahr und den Blick auf fünf Stellen. Alles andere macht später ein Labor.

Die eine Regel

Das Baujahr sagt fast alles

Asbest hat eine klare Epoche. In Deutschland durfte er ab Oktober 1993 nicht mehr verbaut werden. Daraus wird die einfachste Regel, die es bei Schadstoffen gibt:

BaujahrWas das für dich heißt
nach 1993Praktisch ausgeschlossen. Du kannst das Thema abhaken.
1980er bis 1993Wird zum Ende hin seltener, kommt aber vor. Hinschauen.
bis Anfang der 1980erSehr wahrscheinlich, zumindest an einer der fünf Stellen. Fest einplanen.

Rechtlich ist die Grenze noch eindeutiger: Bei jedem Gebäude, das vor Oktober 1993 gebaut wurde, musst du mit Asbest rechnen. Wer dort umbaut, muss vorher klären, was verbaut ist. Das steht in der Gefahrstoffverordnung und ist kein freiwilliger Vorschlag.

Wenn du bei einer Besichtigung nur eine Zahl mitnimmst, dann diese: 1993.

Wo Asbest steckt

Die fünf Stellen

Asbest wurde in hunderte Produkte gemischt. Für die Besichtigung reichen fünf, weil sie zusammen fast alle Fälle abdecken.

WoWoran du es siehst
Graue WellplattenAuf Dach, Garage, Schuppen, als Fassade, sogar als Fensterbank oder Blumenkasten. Grau, wellig, faserig an den Bruchkanten. Oft "Eternit" genannt.
Bodenplatten mit schwarzem KleberQuadratische Fliesen, meist 25 mal 25 oder 30 mal 30 Zentimeter, oft marmoriert. In Keller, Flur, Küche. Darunter fast immer ein schwarzer, klebriger Belag.
Fliesenkleber und SpachtelHinter Wand- und Bodenfliesen in Bad und Küche. Sieht man nicht, wird erst beim Abschlagen frei.
NachtspeicheröfenGroße, schwere Heizkörper an der Wand, meist aus den 1960ern bis frühen 1980ern.
Weiße Schnüre und IsolierungZopfartige Dichtschnüre an alten Ofentüren, bröselige weiße Ummantelung an alten Heizungsrohren.

Die Wellplatten sind der einfachste Fall

Sie liegen offen, meist auf einem Nebengebäude, und sie sind mit Abstand am leichtesten zu erkennen. Grau, gewellt, oft mit Moos bewachsen. Wenn du eine Garage oder einen Schuppen mit so einem Dach siehst und das Haus ist vor 1993 gebaut: Das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Asbestzement.

Solange die Platten heil sind, passiert nichts. Teuer wird der Tag, an dem sie runter müssen, und den planst du besser jetzt ein als später.

Die Bodenplatten sind der häufigste Fall

Quadratische Bodenfliesen in einem Altbaukeller sind fast schon ein Klassiker. Wichtig dabei: Es steckt oft doppelt drin. In der Platte selbst kann Asbest sein, und der schwarze Kleber darunter enthält häufig Teer, der beim Schleifen ebenfalls krebserregenden Staub macht. Wer diesen Boden rausreißt, hat also zwei Probleme auf einmal.

Der Fliesenkleber ist der unsichtbare Fall

Das ist die Stelle, die fast niemand auf dem Schirm hat. In etwa jedem vierten Gebäude aus der Zeit vor 1995 wurde asbesthaltiger Kleber oder Spachtel hinter den Fliesen gefunden. Sehen kannst du das nicht. Es wird erst zum Thema, wenn du das Bad neu machst. Und wer ein älteres Haus kauft, um selbst darin zu wohnen, macht genau das oft im ersten Jahr.

Wenn im Exposé "Bad im Originalzustand" steht und das Haus ist von 1975: Rechne mit dieser Position, bevor du das Bad im Kopf schon fertig hast. Wie du solche Formulierungen liest, steht in Immobilien-Exposé lesen.

Fest oder bröselig

Das entscheidet über die Gefahr

Asbest ist nicht gleich Asbest. Der Unterschied, auf den es ankommt, ist nicht die Sorte, sondern wie fest die Fasern gebunden sind.

Festgebunden heißt: Die Fasern stecken in Zement oder Kunststoff. Das sind die Wellplatten und die Bodenfliesen. Solange das Material heil ist und niemand daran bohrt, schleift oder es abbricht, kommt nichts in die Luft. Das ist kein Notfall, das ist ein Kostenpunkt für den Umbau.

Schwachgebunden heißt: Die Fasern sitzen locker. Das sind die weißen Dichtschnüre, die bröselige Rohrisolierung und alte Spritzbeschichtungen. Die geben schon im Alltag Fasern ab, und sie sind der Fall, bei dem du nicht bis zum Umbau wartest.

Heile Wellplatten auf der Garage sind ein Kostenpunkt für den Tag, an dem sie runter müssen. Eine gebrochene Platte oder eine bröselige weiße Schnur an der Ofentür ist etwas anderes: Die schaust du dir nicht in Ruhe an, sondern lässt sie von einem Fachbetrieb anfassen, bevor du einziehst.

Was du auf keinen Fall tust

Das ist der wichtigste Abschnitt in diesem Artikel, und er ist kurz.

Bei Verdacht wird nicht angebohrt, abgeschliffen, abgekratzt, abgebrochen oder abgesaugt. Genau diese Handgriffe setzen die Fasern erst frei. Ein Staubsauger macht es schlimmer, nicht besser.

Auch nicht selbst eine Probe nehmen. Das klingt vernünftig, ist aber schon die gefährliche Tätigkeit: Ein Stück abbrechen setzt Fasern frei. Die Probennahme darf nur ein zugelassener Betrieb machen, das ist in den technischen Regeln so festgelegt.

Was du bei der Besichtigung tust: anschauen, fotografieren, Ort und Baujahr notieren, weitergehen.

Was es kostet

WasKostenStand
Laborprobe, je Probe80 bis 230 €August 2026
Alte Bodenplatten samt Kleber entfernen30 bis 45 € pro m²August 2026
Wellplattendach abnehmen und entsorgen20 bis 30 € pro m²August 2026

Diese Preise gelten für zugelassene Fachbetriebe inklusive Entsorgung. Günstiger geht es nicht legal, und illegal entsorgter Asbest fällt am Ende auf den Eigentümer zurück, also auf dich.

Ein Rechenbeispiel: Eine Garage mit 40 Quadratmetern Wellplattendach liegt bei rund 800 bis 1.200 Euro. Ein Kellerboden mit 60 Quadratmetern Floor-Flex bei rund 1.800 bis 2.700 Euro. Das sind Beträge, die in die Kaufkalkulation gehören, aber keine, die einen Kauf platzen lassen müssen.

Wie du solche Posten sauber neben die Kaufnebenkosten stellst, steht in Kaufnebenkosten beim Hauskauf. Und was am Ende insgesamt geht, rechnest du in Wie viel Haus kann ich mir leisten.

Was das für deine Kaufentscheidung heißt

Asbest ist selten ein Grund, ein Haus nicht zu kaufen. Er ist ein Grund, eine Zahl in die Kalkulation zu schreiben und im Zweifel über den Preis zu reden.

Drei Fragen bringen dich weiter:

  1. Muss das Material überhaupt weg? Ein intaktes Garagendach, das noch zwanzig Jahre hält, ist kein Kostenpunkt für nächstes Jahr.
  2. Was habe ich nach dem Kauf vor? Wer das Bad neu macht oder den Boden rausreißt, trifft genau die teuren Stellen. Wer erst mal wohnt, nicht.
  3. Steht es im Protokoll? Frag den Verkäufer, ob ein Asbestbefund bekannt ist, und lass die Antwort schriftlich festhalten. Weiß er von einem Befund und sagt nichts, ist das arglistige Täuschung, und das hebelt den üblichen Gewährleistungsausschluss aus.

Der Nachbarbefund, den du bei der gleichen Gelegenheit prüfst, ist Feuchtigkeit und Schimmel. Beides sind Dinge, die man in zehn Minuten sieht, wenn man weiß, wohin man schaut.

Alle Zahlen in diesem Artikel: Stand August 2026.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich Asbest?

Nicht am Material selbst, sondern am Baujahr und am Ort. Asbest ist in Deutschland seit Oktober 1993 verboten. Bei einem Haus, das davor gebaut wurde, musst du damit rechnen, und zwar an fünf typischen Stellen: graue Wellplatten auf Dach und Garage, quadratische Bodenfliesen mit schwarzem Kleber darunter, Fliesenkleber hinter Bad- und Küchenfliesen, alte Nachtspeicheröfen und weiße Dichtschnüre an Ofentüren. Sicher ist es erst mit einer Laborprobe.

Ist Asbest gefährlich, wenn er im Haus verbaut ist?

Solange das Material fest und unbeschädigt ist und niemand daran bohrt, schleift oder es abbricht, werden keine Fasern frei. Dann ist es kein akutes Gesundheitsproblem, sondern ein Kostenpunkt für den Tag, an dem du umbaust. Gefährlich wird es, wenn das Material bröselt, gebrochen oder verwittert ist, und bei den weichen Formen wie Schnüren und Isolierpappen.

Was kostet es, Asbest entfernen zu lassen?

Eine Laborprobe liegt bei 80 bis 230 Euro. Alte Bodenplatten samt Kleber zu entfernen kostet etwa 30 bis 45 Euro pro Quadratmeter, ein Wellplattendach etwa 20 bis 30 Euro pro Quadratmeter, jeweils durch einen zugelassenen Betrieb inklusive Entsorgung. Stand August 2026.

Kann ich selbst eine Probe nehmen und einschicken?

Nein. Schon das Abbrechen eines Stücks setzt Fasern frei, genau das, was du vermeiden willst. Die Probennahme gehört zu den Arbeiten, die nur ein zugelassener Betrieb machen darf. Bei der Besichtigung gilt: anschauen, fotografieren, Baujahr und Ort notieren, sonst nichts.

Muss der Verkäufer mir sagen, ob Asbest verbaut ist?

Wenn er es weiß, ja. Ein bekannter Asbestbefund ist ein Mangel, den er ungefragt offenlegen muss, und Verschweigen ist arglistige Täuschung. Der Haken: Viele Verkäufer wissen es selbst nicht. Deshalb hilft die Frage im Protokoll, ersetzt aber deinen eigenen Blick nicht.

Ab welchem Baujahr ist ein Haus asbestfrei?

Nach Oktober 1993 gebaut heißt praktisch asbestfrei, weil ab da nichts mehr verbaut werden durfte. In den Jahren davor wird es zum Rand hin seltener: Richtig wahrscheinlich ist Asbest bei Häusern bis in die frühen 1980er.

Rechtlicher Hinweis: Die Kostenspannen sind Erfahrungswerte für eine erste Einordnung und ersetzen kein Angebot und kein Gutachten. Sicherheit gibt nur eine Laborprobe, und die darf nur ein Fachbetrieb nehmen. Fass bei Verdacht nichts an.

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